Bedingungslose vs. Hormonelle Liebe

Ja wir sprechen heutzutage viel von bedingungsloser Liebe. Wie ist diese Liebe, die frei von Bedingungen ist?

Diese Liebe sollten wir nicht verwechseln mit den hormonell bedingten Gefühlen, die beim Ver-liebt-sein entstehen. Diese Art der Liebe wird durch Hormone erzeugt, die durch unser System rasen.

Was ist der Unterschied zwischen Liebe und Ver-Liebt-Sein?

Interessant ist es auch, sich den Begriff des Ver-liebt-seins genauer anzuschauen.

Im Duden steht: „Ver ist eine Vorsilbe, die das betreffende Wort als negativ oder schwierig markiert.“ Und wie wir sehen, sind andere Worte, die ver als Vorsilbe haben, in unserem Sprachgebrauch auch als negativ angesehen, wie ver-lieren, ver-gessen, ver-achten, ver-sagen.

Kann es also sein, dass der Akt des Ver-liebens uns eigentlich von der wahren Liebe entfernt? Kann es sein, dass der Akt des Ver-liebens eine Täuschung ist?

Meiner Erfahrung nach Ja und Nein. Es ist nur eine Täuschung, wenn wir uns vom Ver-liebt-sein täuschen lassen. Wenn das Ver-liebt-sein unsere einzige Basis für die Beziehung ist, dann werden wir über kurz oder lang ent-täuscht werden, weil die hormonelle Liebe nachlässt. Die rosa-rote Brille fällt ab und es beginnt eine neue Ära. Die Ära der Öffnung, die Ära in der wir, wenn wir weiter Liebe empfinden wollen, die eigene Egogrenze überwinden müssen, um den Partner weiterhin im Licht der Liebe zu sehen. Doch diese Ent-täuschung bringt auch immer etwas wundervolles mit sich: Die Täuschung nimmt ein Ende.

Die Täuschungen sind in diesem Fall die unbewussten Botschaften, in denen wir Leben und die wir unseren Partnern aussenden. Denn: Was wir im inneren Leben, senden wir auch immer in die Außenwelt. Und die Außenwelt reagiert darauf.

Lasst uns doch gemeinsam einige dieser unbewussten Botschaften anschauen:

  •  „Wenn du dich so verhältst, wie ich es möchte, dann kann ich dich lieben.“
  • „Am besten sollst du klein und unselbstständig bleiben, sodass du weiterhin von mir abhängig bist und mich brauchst. Wenn du mich brauchst, fühle ich mich gut. Durch meine Taten schuldest du mir deine Liebe.“
  • „In deiner Nähe fühle ich mich erfüllt. Bitte verlasse mich nicht, sonst muss ich mich um mich selbst kümmern, du weißt doch, ich kann nicht so gut alleine sein. Wer bin ich denn dann, ohne dich?“
  • „Wehe du verlässt mich. Du wertest mich auf. Ohne dich bin ich weniger wert.“

Diese unbewussten Botschaften sprechen wir doch so gut wie nie aus, denn sie sind uns ja nicht bewusst. Wären sie uns bewusst, dann würden wir einen echten Schrecken bekommen, auf welcher Basis unsere Beziehungen aufgebaut sind.

Wie wir sehen, ist diese Liebe nicht frei von Bedingungen. Sie trägt ein Muster der Abhängigkeit in sich. Wir fühlen uns gut, weil Hormone die Gefühle des Verliebtseins in uns entstehen lassen. Es schießen Freudehormone durch unser System und das hat physiologische Auswirkungen. Ja, das ist der einfache physiologische Vorgang, wenn wir Dinge toll oder nicht toll finden.

Und diese abhängige Liebe finden wir nicht nur in romantischen Beziehungen, sondern in allen Beziehungen. Besonders häufig auch in Eltern-Kind-Beziehungen.

Die bedingungslose Liebe ist ein anderer Zustand

Die Bedingungslose Liebe ist ein anderer Zustand. Sie ist nicht an Hormone gebunden, sondern die Verbindung zwischen Hirn und Herz. Sie entsteht durch eine geistige Tätigkeit, bei der Hirn und Herz in Gleichklang und Kohärenz gebracht werden. Ab dann beginnt der innere Frieden und wir empfinden eine Liebe, die uns flutet. Wie ein Springbrunnen, der überläuft und dadurch jedes seiner Becken füllt, so werden auch wir von ihr erfüllt. Und das was überläuft, können wir bedingungsfrei mit einem Lächeln verschenken, so wie der der Springbrunnen es tut, von der obersten zu untersten Schale, weil mehr als genug vorhanden ist. Und wie beim Springbrunnen wissen wir, es kommt immer Wasser nach, es gibt keinen Mangel, wir müssen nicht sparsam mit unserer Liebe umgehen.

Der berühmte buddhistische Zen-Meister Thich Nhat Hanh sagt: „Wenn wir keinen inneren Frieden haben, wenn wir uns nicht wohl in unserer Haut fühlen, können wir unsere Kinder nicht wirklich gut erziehen. Wenn wir gut für unsere Kinder sorgen wollen, müssen wir gut für uns selber sorgen.“

Und so ist es meines Empfindens nach auch in romantischen Beziehungen. In dem Maße, wie wir für uns selbst sorgen, können wir auch für unsere Partner sorgen. In dem Maße wie wir uns selbst mit Liebe begegnen, können wir auch unseren Partnern mit Liebe begegnen. Im Zustand der bedingungslosen Liebe darf alles sein und wir können dennoch in der Liebe zu Alles und Allem verweilen.

Meditation und Reiki können ein Werkzeug dabei sein, um den Zustand der bedingungslosen Liebe zu erfahren.

Ich wünsche dir, dass du Sekunden, Stunden und Tage in dieser Liebe erfahren kannst.

Dein Marian.